Stromtrasse: Schaden oder Nutzen?

21. Juni 2017 
BERNHARDSWALD. Bund Naturschutz und BüfA informierten und diskutierten in Bernhardswald über Auswirkungen auf die dezentrale Erzeugung.

Am Montagabend luden der Bund Naturschutz und BüfA (Bündnis für den Atomausstieg und erneuerbare Energien) zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Stromtrassen im östlichen Landkreis ein. Etwa 60 Besucher verfolgten die Präsentation, die die Auswirkungen aus dem Blickwinkel der dezentralen Energieerzeugung beleuchtete.

Wolfgang Wegmann (BüfA) erläuterte die sozialen Aspekte der Stromtrasse. Die unvorstellbaren Finanzmittel, die zur Realisierung notwendig seien, würden hauptsächlich Großinvestoren zur Geldanlage locken. Ein Kilometer Erdverkabelung erfordere die Investition von zehn Millionen Euro. Hochgerechnet für die Trasse bedeute dies laut derzeitigem Planungsstand eine Gesamtinvestition von 5,7 Milliarden Euro für den kürzesten Streckenverlauf. Eine garantierte Rendite von 6,9 Prozent locke bei dieser immensen Summe in erster Linie Konzerne und grenze Privatanleger aus.

Verteilung ist kein Ausgleich

Petra Filbeck (BüfA) stellt anhand des Datenabgleichs zwischen Stromverbrauch und Stromproduktion dar, dass die geplanten Leitungen ungeeignet seien, die Schwankungen bei der Stromerzeugung durch die Verteilung auszugleichen. Der Vergleich von Tagen zwischen wenig und viel Ertrag erneuerbarer Energien belege, dass selbst an Tagen mit wenig Beitrag aus regenerativen Energien der Bedarf gedeckt werden könne und selbst zu Zeiten „exportieren deutsche Stromerzeuger mehr Strom ins Ausland als vom Ausland eingeführt wird“.

Walter Nowotny (BN/BüfA) präsentierte die massiven Eingriffe aus naturschützerischer Sicht. Es entstehe eine bis zu 770 Kilometer lange Schneise quer durch Deutschland, während des Baus auf Breite einer zweispurigen Autobahn. Selbst nach Fertigstellung der Erdverkabelung bleibe ein Streifen von etwa 30 Metern, der nicht bebaut werden darf. Schneisen durch Wälder beeinflussen das Mikroklima massiv; die Bodentemperatur könne bis zu acht Grad Celsius steigen. Zusammenhängende Waldgebiete würden dadurch geteilt und schlimmstenfalls die dort lebende Flora und Fauna zerstört. Strukturell wirke sich die HGÜ-Technik (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) negativ aus, da zwischendurch kein Stromabzweig realisiert werden könne. Zudem berge diese Technologie die Gefahr, dass bei Angriffen oder Beschädigungen die Leitung für mehrere Monate keine Energie übertragen könne.

Die Trasse als Ganzes verhindern

In der Diskussion wurden die Möglichkeiten einer Verhinderung der Leitung und der damit verbundenen Trassen diskutiert. Franz Waldmann aus Wenzenbach warf ein, dass Ziel sein müsse, die Trasse als Ganzes zu verhindern, denn wie im Vortrag veranschaulicht, löse dies nicht die Herausforderungen der erneuerbaren Energien. Regionale Erzeugung, intelligente Netze sowie Speichermöglichkeiten seien das oberste Ziel der bürgerlichen Energiewende. Ein St.-Florians-Prinzip spiele den Erbauern der Trasse in die Hände, denn dadurch würde die Leitung in den Gegenden des geringeren Widerstands realisiert. Im Sinne der Energiewende sollten die finanziellen Mittel sinnvollerweise in die regionale dezentrale Energieerzeugung investiert werden.

Quelle: www.mittelbayerische.de

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