25. Jahrestreffen der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen(ABSI)-Kongress 2018 – Rückblick

05.02.18 von Anita Dieminger

©Anita Dieminger

Unter dem Motto „Energiezukunft gestalten!Gemeinsam!“ trafen sich am 26. und 27. Januar 2018, Vertreter der 200 bayrischen und österreichischen Solar-Initiativen, sowie lokale Akteure, Bürgerinitiativen, Umweltorganisationen und Interessierte in Erlangen. Auch Vertreter der Bürgerinitiativen Donau-Lech, die sich gegen überdimensionierten Netzausbau (HGÜ-Trassen), aber für eine dezentrale Energiewende engagieren, nahmen am Treffen teil.

11 hochqualifizierte ReferentInnen sprachen in den Fachvorträgen über zentrale Themen: Batteriespeicher, Elektromobilität, Photovoltaik, Zellulare Energiesysteme, EEG-Update, Regionalkonzepte und Kohleausstieg. Zu Beginn der Veranstaltung fanden Exkursionen statt. Wir besichtigten die Solarfabrik der Zukunft – den EnergieCampusNürnberg, indem an organischen PV-Modulen geforscht wird.

Als prominenter Hauptredner am Nachmittag folgte Prof. Volker Quaschning von der HWT Berlin mit seinem Vortrag “ 400 Gigawatt PV für 100% EE“. Er zeigte anhand von Datenmessungen, wie sich Temperatur und Meeresspiegel in tausenden von Jahren verändert haben und dass die Zunahme von Extremwetterereignissen, Schmelzen der Pole, weltweiten Unwettern, das Produkt des Klimawandels sind. „Glauben Sie an den Klimawandel?“-fragte er. Es ist dasselbe wenn ich fragen würde „Glauben Sie an die Schwerkraft?“ – es ist banale Physik. 1 Million Menschen leben 1m über dem Meeresspiegel. Für sie wird es eine entscheidende Rolle spielen, ob wir das angestrebte Pariser-Klimaziel von deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst 1,5 Grad Celsius einhalten werden oder nicht. Spätestens 2040 wird unser CO2-Budget aufgebraucht sein-dann gibt es kein zurück mehr. Doch unsere Bundesregierung rechnet mit anderen Zahlen. Sie will bis 2050 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 85-90% verringern. Das passt nicht mit dem Pariser Klimaabkommen zusammen, das auch von Deutschland unterschrieben wurde. Prof. Quasching hält eine Null-Emission bis 2040 für machbar, wenn bis dahin 100% regenerative Energien ausgebaut würden. Vor Allem der Photovoltaik (PV) sprach er ein großes Potential zu – er errechnete mimimal 400 GW benötigte PV-Leistung. Die Ausbaumöglichkeiten für Windkraft sind vorhanden, aber durch die oft fehlende Akzeptanz oder die 10 H-Regelung in Bayern, begrenzt. Ein Kohleausstieg müßte bis 2030 erfolgen, ab 2025 dürfte es keine Neuzulassungen für Benzin- und Dieselfahrzeuge mehr geben, das Ende der Öl- und Gaskessel und wärmegeführten KWK-Anlagen müßte eingeläutet werden (in Bayern gibt es sogar noch eine aktuelle Förderung für neue Ölheizungen), der Flug- und Schiffsve rkehr muß auf Power to Liquid und Biotreibstoffe umgestellt werden und eine Markteinführung von Batteriespeichern und Power to Gas Technologien wäre zwingend nötig. Das alles kostet Geld, schafft aber gleichzeitig viele Arbeitsplätze und hilft auch Leid zu verringern. Denn der Klimawandel produziert unzählige Klimaflüchtlinge, bedroht die Wasser- und Nahrungsmittelversorgung , verursacht Schäden in Billionenhöhe und kostet Hunderttausenden Menschen ihr Leben.

„Machen sie Energiewende und Klimawandel zum Thema, fahren sie elektrisch, steigen sie auf grünen Strom um, helfen sie beim Ausbau erneuerbarer Energien – wir dürfen die Welt nicht den Populisten überlassen und müssen rücksichtslose Energiepolitik endlich beenden-stehen sie auf – wir haben einen Planeten zu retten!“ so beendete Prof. Quaschning seinen Vortrag, der bei den Anwesenden großen Anklang fand.

Schade war, dass Oberbürgermeister und Schirmherr Dr. Florian Janik diesen Vortrag nicht gehört hatte, denn sonst wären seine beschönigenden Worte zu Erlangen vielleicht anders ausgefallen. Erlangen hat bisher nur ca. 20% an CO2-Einsparungen, wie Referent Josef Fell zu berichten hatte. Auch die Energiewendeziele von 50% KWK und 50% EE bis 2030 scheinen aufgrund des CO2 Budgets nicht besonders ambitioniert, was auch eine Zuhörerin kritisierte. Auf Ihren Vorschlag in Erlangen mehr PV-Anlagen zu bauen, kamen von Herrn Dr. Janik leider nur Absagen aufgrund von Finanzierungsproblemen, obwohl eine PV-Anlage durch die 20 jährige Einspeisevergütung eine sichere Kapitalanlage darstellt, die auch noch gute Verzinsungen bringt. Dies führte bei den Anwesenden zu regen Diskussionen. Es bleibt nur zu Hoffen, dass sich der Obermeister seiner großen gesellschaftlichen Verantwortung bewußt wird und das Angebot von Stefan Jessenberger (EnergiewendeER(H)langen e.V.), auf eine bürgerfinanzierte Genossenschaft zum PV-Ausbau zurückkommt.

Am Samstag zeigte Referent Hans-Josef Fell, dass 100% EE nicht nur machbar sind, sondern auch kostengünstiger. Er zeigte Beispiele wie Agro-PV in der Wüste Gobi, artgerechte Geflügelzucht unter PV-Anlagen in China, 16.000 Elekrobusse in Shenzen, Biogasäcker in Deutschland und wies auf andere Länder und Organisationen hin, die sich den COP22 Zielen von Marrakesch angeschlossen haben. Er plädierte unter Anderem den Klimaschutz in die Verfassung aufzunehmen, eine Schmutzsteuer (CO2, Methan, Radioaktivität) einzuführen und Subventionen für fossile und atomare Rohstoffe abzuschaffen.

Viel Zuspruch fand auch der Vortrag von Daniel Banasch, der in seinem Referat „Sonne für alle“, die Energiewende ganz einfach auf nur einem Bierdeckel darstellte.

Ebenso hörenswert war das “ Konzept für die persönliche Energiewende im eigenen Haus“ mit ganz vielen persönlichen Beispielen von Hans Urban.

Viele interessante Vorträge folgten:

„Sicherheit von stationären Li-Ionen-Batteriesystemen“
„100%regionale Energie-ein flexibles zellulares Energiesystem von Morgen“
„Aktuelle Entwicklungen im Energierecht, Fokus: Mieterstrom nach dem EEG“
„Konzepte zur effizienten Solarstromspeicherung“
„Energiemeterologie-optimierte Verfahren zur Vorhersage von EE-Erzeugung und Verbrauch“
„Elektromobilität-wohin geht die Reise?“
„Keine Kohle für die Kohle“

Zum Schluß wurde noch ein Erlanger Manifest verabschiedet, das drei ganz banale, aber wichtige Gesichtspunkte fordert:

1.Die Sonne ist die Energiequelle für uns alle.
2.Jeder hat das Recht die Sonne frei zu nutzen.
3.Niemand darf bei der Ausübung dieses Rechts willkürlich beschränkt, behindert oder belastet werden.

Mit viel Engagement, tollen Vorträgen und heißen Diskussionen ging dieses perfekt organisierte ABSI-Treffen 2018 zu Ende. Es hat uns nicht nur motiviert, sondern auch gezeigt, dass Energiewende und Klimaschutz nicht nur von der Politik abhängig sind, sondern dass wir ganz viel selber dazu beitragen können. Fossil war gestern-heute ist Erneuerbar!

Quelle und Bilder: www.stadtzeitung.de

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